
Lünen. Eine literarische Zeitreise in die Weimarer Republik und eine Ehrung prägten den Besuch von Günter Sehrbrock in Lünen. Der 100-jährige Autor und gebürtige Lüner folgte einer Einladung der Volkshochschule (VHS) in den Treffpunkt Persiluhr. Vor rund 40 Gästen präsentierte er seinen Roman „Nachkriegsjahre“ und wurde in diesem Rahmen auch für sein kulturelles Lebenswerk geehrt.
Kulturdezernent und Beigeordneter Dr. Christian Klicki würdigte die enge Verbundenheit Sehrbrocks mit der Lippestadt. Anschließend trug sich der Autor in das Gästebuch der Stadt Lünen ein. Sehrbrock notierte dazu: „Als Sohn der Stadt Lünen freue ich mich, an die Stätte meiner Kindheit zurückkehren zu dürfen. Alte Erinnerungen werden wieder lebendig.“
Zeitzeugenschaft und Literatur
Im Mittelpunkt der Lesung stand der Roman, dessen Handlung in Lünen angesiedelt ist. Während Illustrator Andreas Raub ausgewählte Passagen vortrug – etwa die Heimkehr des Protagonisten Paul oder das Kennenlernen seiner Frau Toni –, ordnete der Autor das Gehörte historisch ein. Sehrbrock verknüpfte die Romanhandlung mit realen Erlebnissen seiner Kindheit: Er berichtete eindringlich von der politischen Radikalisierung der damaligen Zeit, etwa von gewaltsamen Auseinandersetzungen am Borsigplatz oder der Rekrutierung von Arbeitslosen durch extremistische Gruppen.
VHS-Leiter Björn Falke betonte den Wert dieser Zeitzeugenschaft, die Parallelen zwischen den politischen Spannungen der 1920er Jahre und der Gegenwart sichtbar mache.
Hintergrund zum Autor und Werk
Günter Sehrbrock wurde nach einer Maurerlehre und dem Beginn eines Ingenieurstudiums zur Wehrmacht eingezogen. Nach 20 Monaten Kriegseinsatz und über vier Jahren Kriegsgefangenschaft arbeitete er später als Bauingenieur, spezialisiert auf die Sanierung historischer Burganlagen. Nach seiner Erblindung im Alter setzt Sehrbrock seine schriftstellerische Arbeit fort, indem er Texte diktiert. Er ist Mitglied bei BLAutor, der Gemeinschaft blinder und sehbehinderter Autorinnen und Autoren. Sein literarisches Werk umfasst mittlerweile 27 Bücher, darunter der Antikriegsroman „50.000.000“.
Sehrbrock hat verfügt, dass sein literarischer Nachlass dem Archiv der Stadt Lünen übergeben wird. Exemplare seiner Werke, die er der Stadtbücherei Lünen anlässlich der Lesung schenkte, stehen dort zur Ausleihe bereit.
Quelle und Bild: Stadt Lünen