Für ihren beharrlichen Einsatz für die Selbstbestimmung und Sicherheit von Frauen, Mädchen und weiteren von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffenen Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte erhielten die Mitarbeiterinnen von agisra e.V. aus Köln den Multi-Kulti-Preis 2026. Bei der Preisverleihung am Dienstag im neuen Bildungs- und Begegnungszentrum am Lüner Platz der Vielfalt überreichte Ute Fischer vom Paritätischen NRW die Trophäe und Auszeichnung samt einem Preisgeld von 2.000 Euro an die Engagierten.Freude bei den Preisträgerinnen: agisra e.V. erhält die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung. Die Urkunde überreicht Kenan Küçük, Geschäftsführer Multikulturelles Forum e.V. (l.). Ute Fischer, Der Paritätische NRW (r.) beglückwünscht die Gewinnerinnen.Das Team von agisra e.V. mit Canan Çabuk (l.), Koordinatorin des Multi-Kulti-Preises, Geschäftsführer Kenan Küçük (2. v. l.) und Moderatorin Zeynep Kartal (3. V. l.) sowie Ute Fischer, Der Paritätische NRW, (2. v. r.) und NRW-Staatssekretär Lorenz Bahr (r.), Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration.
Seit seiner Gründung im Jahr 1993 eröffnet der Verein Menschen, die häufig mehrfach von Diskriminierung betroffen sind, konkrete Perspektiven auf Schutz und gesellschaftliche Teilhabe. Neben Gesprächen, Begleitungen, Übersetzungen, Behördengängen und Bildungsangeboten kämpft das Team auf Demonstrationen, mit Aktionen und Schreiben für die Rechte der Zielgruppen, verleiht ihnen eine Stimme und verbessert so Strukturen und Lebensbedingungen für Betroffene.
„Der Multi-Kulti-Preis 2026 würdigt daher nicht nur eine außergewöhnliche Beratungsstelle, sondern eine Organisation, die Vielfalt als Stärke begreift, gesellschaftliche Teilhabe aktiv ermöglicht und seit vielen Jahren unermüdlich für eine offene, solidarische und gerechte Gesellschaft eintritt,“ verlas Fischer, Geschäftsbereichsleiterin Kinder, Jugend, Frauen, Migration, Soziale Hilfen, Arbeit im Paritätischen NRW, bei ihrer Laudatio aus der Juryentscheidung. agisra e.V. zeige konkret, wie sich der universelle Anspruch des Grundgesetzes an die unantastbare Würde des Menschen mit Leben füllen lasse – und das in „Zeiten, in denen demokratische Grundüberzeugungen infrage gestellt werden.“
In ihrer Dankesrede forderten die Preisträgerinnen zum Zusammenhalt auf: „Nur gemeinsam können wir all den Gesetzesverschärfungen, gesellschaftlichen Umbrüchen und politischen Angriffen standhalten. Auch, wenn wir Ohnmacht fühlen, können wir sie in Handlungsmacht verwandeln,“ so Mitarbeiterin Adrijane Mehmetaj-Bassfeld. „Wir bleiben beharrlich und wir bleiben verdammt nochmal schwierig, widerspenstig und unbequem. Wir bleiben laut!“
Zuvor hatte NRW-Staatssekretär Lorenz Bahr, Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, in seinem Grußwort vor dem Publikum aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Engagierten auf NRW als Einwanderungsland hingewiesen: „Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit haben keinen Platz in unserem Land!“
In Richtung von Bahr sowie der anderen anwesenden Politiker, darunter der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Thews, und Landrat Mario Löhr, Kreis Unna, forderte Hausherr Kenan Küçük, Geschäftsführer Multikulturelles Forum e.V.: „Es muss Schluss sein damit, dass Migration in unserem Land nur mit negativen Dingen in Verbindung gebracht wird. Und es muss Schluss sein damit, dass Menschen, die an verantwortlicher Stelle sitzen, in diesem Kontext nur noch zwei Wörter kennen: Kürzung und Abschiebung.“ Es sei eine Politik nötig, die „eine solidarische Gesellschaft der Vielen als Vision“ habe, so Küçük. „Wir brauchen mehr Menschen, die Haltung zeigen.“
In diesem Sinne dankte er den zahlreichen Engagierten aus ganz NRW, die sich für den Multi-Kulti-Preis beworben hatten. Moderatorin Zeynep Kartal betonte die Schwierigkeit der Aufgabe für die diesjährigen Jurymitglieder: Küçük, Canan Çabuk, Koordinatorin des Multi-Kulti-Preises, Yunus Ulusoy von der Stiftung für Türkeistudien und Integrationsforschung, die freie Journalistin Sun-Hie Kunert (u. a. WDR) sowie Henrike Deitert von der Nordstadtliga Dortmund, dem Preisträger aus 2025, mussten 55 Bewerber*innen mit Angeboten an unterschiedlichsten Ziel‐ und Altersgruppen und mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten vergleichen. Ein Großteil der Bewerbungen kam dabei aus den Städten Essen (7), Münster (7), Düsseldorf (6), Köln (6), und Bochum (3).
Der Multi-Kulti-Preis wird seit 2005 an vorbildlich engagierte Personen und Institutionen durch das Multikulturelle Forum verliehen. Verschiedene Unternehmen aus der Region unterstützen den Preis finanziell. Musikalisch umrahmt wurde die diesjährige Preisverleihung am Platz der Vielfalt vom Ensemble Luxarion mit E-Piano und Gesang aus Lünen.
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