Offiziell verabschiedet wurde Frank Fischer (Mitte) am Mittwoch (28. April) von Kulturdezernent Horst Müller-Baß (r.) und Fachbereichsleiter Jürgen Grundmann (l.). | Foto: Stadt Lünen

In den 54 Jahren ihres Bestehens hat die Lüner Musikschule erst zwei Leiter gehabt. Der zweite von ihnen, Frank Fischer, ist jetzt in den Ruhestand gegangen. 1990 hatte er die Leitung von Joachim Simon übernommen.

Frank Fischer prägte die Musikschule damit fast 31 Jahre lang. Er war aus dem Norden nach Lünen gekommen, nach dem Studium in Braunschweig und Bremen hatte er zunächst an der Musikschule des Landkreises Oldenburg gearbeitet, bevor er sich auf die Stelle in Lünen bewarb. „Ich habe eine gut geführte Musikschule übernommen“, erinnert sich Frank Fischer im Gespräch. „Als ich angefangen habe, war Musikschule noch ganz anders.“ Beispielsweise sei Gruppenunterricht noch wenig verbreitet gewesen. Das habe sich in den 30 Jahren seines Wirkens fundamental geändert – wie so vieles: „Musikschularbeit ist ständige Herausforderung, man muss immer aufmerksam und aktiv sein und auf die Veränderungen achten.“

Ein anderes Beispiel sei die Kooperation mit Schulen. „Das ist heute – Stichwort ‚Jekits‘ – ja absolut selbstverständlich“, erklärt Fischer. Die Musikschule Lünen hatte aber bereits vor dem „Jekits“-Programm erste Kooperationsprojekte mit den beiden Lüner Gesamtschulen gestartet: Schon in den frühen 2000er Jahren gab es sogenannte Bläserklassen. „Natürlich muss eine Musikschule auch Talentschmiede sein, viele der ehemaligen Schülerinnen und Schüler sind heute selbst professionelle Musiker und Musikpädagogen, alle Lüner Kulturpreisträger aus der Sparte Musik hatten oder haben immer noch Bezug zur städtischen Musikschule. Aber mir war darüber hinaus immer wichtig, dass wir uns breit aufstellen und es möglichst vielen Kindern zu ermöglichen, von Musikunterricht zu profitieren“, erklärt der Musikschulleiter. Heute seien die Schul-Kooperationen weithin akzeptiert und fester Bestandteil der Lüner Bildungslandschaft.

In über 30 Jahren hat der gebürtige Niedersachse viele Veränderungen begleitet und mitgestaltet: „Mir war einfach immer wichtig, die Musikschule weiterzuentwickeln, den neuen Herausforderungen zu begegnen“, sagt Fischer. Insbesondere die Musikschullehrkräfte und die Wertschätzung für ihre Arbeit lagen dem Musikschul-Chef am Herzen. Als er die Schulleitung übernahm, gab es fünf hauptamtliche Kräfte. Fischer schaffte es, weitere Stellen einzurichten, sodass das Kollegium bald aus zwölf Instrumentalpädagoginnen und -pädagogen bestand. „Das war vor allem wichtig, weil wir damit eine breite Palette an Instrumentalunterricht anbieten und die Schülerzahlen halten konnten“, erinnert sich Fischer. Weggefährten aus dieser Zeit seien zum Teil heute noch dabei. Ein großer Teamgeist habe das Kollegium immer ausgezeichnet, das gute Betriebsklima war und ist der Motor für die guten Ergebnisse, konstatiert der Schulleiter zum Abschied.

Fischer selbst hat vor allem Posaune unterrichtet, aber auch Euphonium und Tuba. Besonders angetan hatten es ihm die Ensembles – insbesondere das Lüner Kammerorchester. 1997 übernahm er auch hier die Leitung aus der Hand von Joachim Simon. Eigens dafür hatte er zuvor noch über drei Jahre Fortbildungen für Orchesterdirigenten besucht. Als Orchesterleiter setzte er neue Maßstäbe bei der Auswahl des Repertoires. Ein Höhepunkt des von der Gesellschaft der Musikfreunde getragenen Orchesters sei definitiv dabei das Konzert zum Jubiläum der Lüner Sparkasse gewesen, mit der Uraufführung eines Cellokonzerts von Thomas Schmidt-Kowalski. Frank Fischer ist heute noch begeistert: „Das Orchester habe ich immer mit Leidenschaft geleitet, das war mir ein großes Anliegen und es war auch musikalisch ein Highlight meiner Arbeit!“

Wegen der Sparmaßnahmen, die 2007 im Kulturbereich in Lünen umgesetzt wurden, wurde auch der Betrieb des Kammerorchesters eingestellt, 2008 war das letzte Konzert. An diese Zeit erinnert sich Fischer ungern. Lieber spricht er im Rückblick über musikalische Highlights, die seine Zeit als Musikschulleiter prägten: Zum Beispiel über die vielen Besuche mit kleinen und großen Ensembles in Lünens Partnerstädten. Oder über ein Blechbläserprojekt, für das er 2016 die Martin Luther High School – die Partnerschule der Geschwister-Scholl-Gesamtschule – im namibischen Okombahe besuchte. Die positiven Erfahrungen bleiben, da ist sich Fischer sicher: „Nehmen Sie zum Beispiel die tollen Begegnungen bei internationalen Jugendmusikfestivals, in Norwegen, in Ungarn oder in der Schweiz. Die Schülerinnen und Schüler, die da teilgenommen haben, sind mittlerweile erwachsen – und erinnern sich heute noch gern daran.“

Stolz ist Fischer auch auf die vielen anspruchsvollen Musiktheaterprojekte, die die Musikschule realisiert hat, wie zum Beispiel „Oliver!“ zum 50jährigen Bestehen der Musikschule im Jahr 2017. In diesem Zusammenhang lobt Frank Fischer ausdrücklich auch die Zusammenarbeit mit den anderen Kultureinrichtungen der Stadt, wie beispielsweise dem Theater. Im Jubiläumsjahr der Landesgartenschau in Lünen vor 25 Jahren denkt der langjährige Musikschulleiter natürlich auch an dieses Event zurück und erinnert sich unter anderem an ein Workshopkonzert mit dem Saxofonisten Peter Weniger auf dem Landesagartenschaugelände. Oder an den Spatenstich zu „LaGaLü“: „Da haben wir mit dem Blechbläserquintett in schwarzen Anzügen und gelben Gummistiefeln auf dem Gelände des heutigen „Horstmarer Sees“  gestanden und Händels ‚Wassermusik‘ gespielt“, erzählt Fischer.

Und auch abseits der Musik hat der 64-Jährige einiges zu erzählen: Beispielsweise vom Umzug der Musikschule ins Lükaz, wo das Lehrerkollegium und einige Unterstützerinnen und Unterstützer bei Umbau und Renovierung selbst mit anpackten, „am Wochenende und in Arbeitsklamotten“, wie Fischer betont. Zuletzt mussten er und „seine“ Lehrkräfte sich nun der Herausforderung der Corona-Pandemie stellen. Auch das war möglich: „Digitaler Unterricht ist machbar, vor allem mit fortgeschrittenen Schülern“, sagt Fischer, „aber letztlich ist Präsenz bei Instrumentalunterricht nicht zu ersetzen“. Er habe die Hoffnung, dass das bald wieder möglich sei.

Bei der offiziellen Verabschiedung im coronakonformen und daher sehr kleinen Kreis dankte Kulturdezernent Horst Müller-Baß Frank Fischer „für sein Herzblut und für das Engagement, das er den ihm anvertrauten Schülerinnen und Schülern entgegengebracht hat.“ Gleichzeitig habe Fischer die Musikschule in für die Stadt Lünen finanziell schwierigen Zeiten so umstrukturiert, dass sie zukunftsfähig geblieben sei, betonte Müller-Baß. „Die Musikschule hat sich, gerade in den letzten Jahren, unter Frank Fischers Leitung zu einem anerkannten und verlässlichen Partner in der kulturellen Bildungslandschaft Lünens entwickelt.“

Natürlich hätte sich der scheidende Musikschulleiter neben der offiziellen Verabschiedung eine Veranstaltung mit Gästen und viel Musik gewünscht. Wegen Corona wurde daraus vorerst nur eine digitale Runde im Kreise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Musikschule am letzten Arbeitstag. Eine Feier soll nachgeholt werden, wenn die Regeln es erlauben. Der erste Morgen als Rentner am Montag (3. Mai) „war noch ein bisschen seltsam“ erzählt Fischer, aber er sei zuversichtlich, dass er sich an die „neue Freiheit“ schnell gewöhnen werde. Der Lüner Musikschule wird er nicht verloren gehen: „Wenn man Musiker ist, dann bleibt man Musiker“. Er werde als Lehrkraft auf Honorarbasis weiter Unterricht in Lünen geben. Außerdem will er wieder selbst mehr Musik machen. Die kommissarische Leitung der Musikschule übernimmt vorerst Fischers Stellvertreterin Sabine Patschinsky.

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